Der Weltkrieg im Bild

Originalaufnahmen des Kriegs-Bild und Filmamtes
aus der modernen Materialschlacht

Berlin-Oldenburg 1927
Verlag "Der Weltkrieg im Bild"

Zum Geleit!

Unzählige Millionen von Bildern sind in dem titanenhaften Ringen unseres Geschlechtes, diesem ersten grossen europäischen Kriege im Zeitalter der Amateurphotographie entstanden. Ein jeder, und mag er nur wenige Tage draussen gewesen sein, birgt heute als teures persönliches Erinnerungsgut, sorgsam bewahrt jene kleinen Bildchen, die so ernst zu ihm von jenem verworrenen Knäuel von Eisen, Feuer, Rauch, Lärm, Schrecken, Wildheit und Tod sprechen, unter derem Wirbel er, in sich versunken, still mit dem Leben abschloss - die erzählen von den ewig unvergesslichen Stunden, da nachdem Verhallen des Hexensabbaths der Schlacht das Leben neu geschenkt erschien - die künden von jenen Kameraden, denen ein minder guter Stern leuchtete als uns Ueberlebenden. Wenn wir aber an der Hand jener Bilder eine Vorstellung von der Ungeheuerlichkeit unseres Erlebnisses bei denen, die den Krieg nicht aus persönlicher Anschauung kennen, erwecken wollen, dann wird uns nur zu sehr die Unzulänglichkeit unserer Sammlung klar. Je wilder die Schlacht tobte, desto mehr vergassen wir jenen kleinen Apparat, der unser Kämpfen im Bilde festhalten sollte, und gedachten wir seiner, wenn einmal Eindrücke überwältigendster Art geradezu nach Festhaltung im Bilde schrieen - dann hemmte die Wucht desselben Erlebnisses unsere Hand!

Gern bin ich deshalb der Aufforderung gefolgt, diesem Werke "Der Weltkrieg im Bild" ein Wort mit auf den Weg zu geben. Ist doch in mannigfacher Hinsicht einer solchen Sammlung von Weltkriegsbildern eine weittragende Bedeutung zuzumessen, zumal wenn sie, wie die vorliegende, vorzugsweise aus dem einstigen Bild- und Filmamt schöpft, das berufen war, für kommende Geschlechter das Kriegserleben unseres Volkes festzuhalten.

Ein Erinnerungswerk für die Teilnehmer am Krieg! Dankbar werden die Kämpfer es begrüssen, dass ihnen hier von berufener Seite gerade die Bilder festgehalten worden sind, an denen sie selber in der Aufregung und in der Hetze der Schlacht vorbeieilen mussten. Nicht nur die Furchtbarkeit des Erlebens fesselt und ruft Erinnerungen wach! Für das überlebende Geschlecht steht im Vordergrunde, dass aus dem Getose der Schlacht über den Krieg hinaus herbe, kraft- und willensvolle Gestalten erwuchsen, die auch nach dem Schicksalsschlage des Zusammenbruchs, nach vierjährigem Ringen nicht den Glauben an sich selber und an eine Zukunft ihres Vaterlandes verlieren wollen. Die Bilder jener allein im Kriege rein und edel sich entwickelnden Kameradschaft mahnen dazu, in einer kaum weniger grossen Not der Gegenwart den Gedanken der Einigkeit aller, die zum deutschen Vaterlande sich bekennen, nicht verkümmern zu lassen. Die Bilder jubelnder Siegesfreude führen vor Augen, dass man selbst dann, wenn Verzweiflung schier erdrücken will, an einer günstigen Wendung des Schicksals nicht verzagen soll. Die Bilder jenes eigenartigen, kriegsmässigen Zigeunerlebens erinnern daran, dass unter Not und Entbehrungen allzu oft die grössten Taten erwachsen.

Wir alle sind, die Prachtgemälde deutscher Künstler aus vergangenen Kriegszeiten im Geiste vor uns tragend, in das Völkerringen hinausgezogen, um nur allzubald zu erfahren, dass der Krieg anders war, als wir ihn uns gedacht hatten. Wir haben erfahren, dass nicht das Bild, das Künstlerhand, mag sie auch noch sehr um Wiedergabe der Wirklichkeit ringen, formte, uns den wirklichen, den lebendigen Krieg zu übermitteln vermag. Tatsachen kündet nur die Photographie, die möglichst während, oder spätestens unmittelbar nach der Kampfhandlung entstand. Wir alle wissen auch, dass unseren beispiellosen Kampf gegen die Uebermacht der Materialmassen schwerlich Worte allein so schildern können, wie wir es vielleicht verdienen, wie es aber ganz gewiss nötig wäre für kommende Geschlechter, damit ihnen erspart bleibe, was alle am Kriege beteiligten Völker mit Hekatomben von Blutopfern bezahlen mussten. So wird denn dieses Buch, das die Fülle seiner Bilder aus der Materialschlacht, d. h. aus dem letzten und schwerwiegendsten Abschnitt des Völkerringens zieht, der unzweifelhaft massgebend auch für die zukünftige Gestaltung der Schlachten sein wird, in überzeugender Stärke den wirklichen Krieg übermitteln.

Keineswegs verkenne ich die Gefahr, die aus dem Anblick jener zahlreich hier vertretenen düsteren Kampfbilder erwachsen kann, die das ganze Elend des Krieges in teilweise grausiger Form vor Augen führen. Aber der Krieg darf und kann nicht lediglich eine Begeisterungsangelegenheit mehr sein, nachdem das Elend unseres Zeiterlebens der Geschichte angehört. Wohl werden weiche, pazifistisch, welt- und menschenfremd eingestellte Kreise allzu bereitwillig diese Bilderfolge für ihre Zwecke auszunutzen bestrebt sein. Ihrem Unwirklichkeitssinn gegenüber steht die auch aus diesem Buche sprechende Geschichte, die trotz aller menschlichen Auflehnung die bedeutendsten Abschnitte ihres Werdegangs mit Blut zu schreiben pflegt.

So möge denn dieser "Weltkrieg im Bild" mit Tausenden von sichtbaren, aber auch nicht weniger geheimen, nur dem Eingeweihten verständlichen Fäden, die Kämpfer des Weltkrieges mit ihrer schwersten, aber auch zugleich erhebendsten Lebenserinnerung erneut verbinden. Darüber hinaus möge das Werk in deutschen Familien zu kommenden Geschlechtern von dem grossen Erleben unserer Zeit, von jenem einzigartigen unvergänglichen deutschen Heldentum sprechen.

Ferch bei Potsdam

George Soldan Reichsarchivrat, Major a. D.


Die Bilanz des Weltkrieges.

Das statistische Zentralamt in Washington hat errechnet:

Kosten des Weltkrieges: Die Ausgaben sämtlicher an dem Weltkrieg beteiligten Nationen belaufen sich auf die phantastische Summe von 1 Billion 37 Milliarden 942 Millionen Mark. Das bedeutet bei 50 Monaten Krieg pro Tag 758 Millionen.

Heeresstärken: Entente: 42.000.000 Mann Mittelmächte: 24.000.000 Mann Verluste an Menschen: 8 1/2 Millionen Tote (somit auf acht Mann ein Toter). Ferner kommt auf je drei ein Verwundeter.

(Im einzelnen betragen die Zahlen der Gefallenen: Deutschland 2.000.000, Russland 1.700.000, Frankreich 1.360.000, Oesterreich 1.200.000, England 1.000.000, Italien 650.000, Amerika 50.000.)


Das Papier lieferte die Papierfabrik Sacrau, der Druck erfolgte durch die Rotophot-A.-G. in Berlin und den Einband besorgte die Grossbuchbinderei Carl Einbrodt G. m. b. H. in Leipzig. Einbandzeichnung von Prof. Walter Tiemann.


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Version 2009-03-27